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17.02.17

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Verlagsempfehlung (Waschzettel) Waldethik

Hangartner, Adam (Guido H.) OSB (2002); Waldethik – Theologisch-ethische Überlegungen zu Wald und Forstwirtschaft - Eine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Umwelt- und Sozialethik; München, Herbert Utz-Verlag, ISBN 3-8316-0207-7. (Preis: € 64.--)

Bislang war eine explizite und ausführliche Ethik für Forstleute unbekannt. Weder Philosophen noch Theologen haben sich bisher genauer mit dieser Problematik auseinander gesetzt. Diese Forschungslücke bewog Adam Hangartner, sich dem Thema anzunehmen.

In drei Kapiteln beschäftigt sich der Autor wirklich umfassend und vor allem interdisziplinär mit Problemen, die lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden sind. Gibt es moralische Pflichten im Umgang mit einem Forst? Wer trägt die Verantwortung für den Wald und vor allem wem gegenüber? Theologische Überlegungen werden ebenso berücksichtigt wie philosophische, wirtschaftliche wie forstkundliche, historische wie psychosoziale.

Ausgehend vom Beispiel Österreich zeigt Hangartner zunächst die biologische Entwicklung der Wälder unter dem Einfluss des Menschen. Bereits im Mittelalter hatten sie in bestimmten Regionen stark unter Verwüstung durch Überbeanspruchung bzw. Emissionsschäden zu leiden. Der saure Regen ist nicht erst in den letzten 30 Jahren zum Problem geworden, Waldordnungen zum Schutz bereits aus dem 15. Jahrhundert belegen dies eindrucksvoll. Sodann geht der Autor auf gegenwärtige Nutzungsfragen ein. Welche Waldformen gibt es, wie sind sie entstanden, welche Bedeutung haben sie für ökologische Belange? Es folgt ein Abschnitt über wirtschaftssoziale Fragen der Forstarbeit sowie des Waldeigentums.

Das zweite Kapitel setzt sich mit theologischen Problemen auseinander. Der Wald wird als Kulturgut definiert, der als bedeutender Teil der Schöpfung zu sehen ist. Als wahre Fundgrube erweist sich der Abschnitt über die Bibel. Der Autor hat es auf sich genommen, alle (!) Textstellen der Heiligen Schrift, in denen Bäume im weitesten Sinn erwähnt werden, zu zitieren. Davon ausgehend beschreibt er dann die Positionen der Kirche in Geschichte und Gegenwart zum Forst. Vielen dürfte es unbekannt sein, dass sich zuerst und sehr deutlich die Päpste zur Verantwortung des Menschen der Natur gegenüber äußerten. 1971, ein Jahr vor der Studie des Club of Rome, weist Paul VI. auf eine Umweltkrise hin. Die Benediktiner Eremiten von Camaldoli fordern eine Aufforstung gerodeten Grundes allerdings bereits im 11. Jahrhundert! Abgerundet wird der Abschnitt durch einen Vergleich des Naturverständnisses in anderen Religionen sowie durch Gedanken zur Berufsethik. Von amerikanischen Forstexperten wurden verschiedene Verhaltensvorschriften (so genannte Ehrenkodexe) im Umgang mit dem Wald entwickelt, die der Autor im deutschsprachigen Raum erstmals in solcher Ausführlichkeit aufzeigt.

Hat sich Hangartner in den ersten beiden Kapiteln mit der Geschichte und dem Ist-Zustand des Forstes auseinandergesetzt, so führt er zuletzt einen völlig neuen, zukunftsweisenden Begriff in die Diskussion ein: das „Abgeordnet-Sein“. Der Grundgedanke dabei ist folgender: Der Mensch ist der Natur nicht über-, nicht gleich-, aber auch nicht untergeordnet. Vielmehr ist es seine Aufgabe, stellvertretend die Interessen der Natur wahrzunehmen, eben wie ein parlamentarischer Abgeordneter. Damit dient er nicht nur der Umwelt, sondern auch sich selbst – und wird so seiner Verantwortung dem Schöpfer und der Schöpfung gegenüber gerecht.

Hangartner gelingt es mit seinem Ansatz, weit über die Theologie hinaus den Ethik-Diskurs zu bereichern, den er in seinem Werk kapitelübergreifend und interdisziplinär versteht. So ist die Einführung des Begriffs „Abgeordnet-Sein“ Denkanstoss und Handreichung zur Vertiefung des wissenschaftlichen Gesprächs und der praktischen Anwendung. Nun liegt es an den forstlichen Disziplinen, diese umfassende Vorlage konstruktiv zu verwerten.

 

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Stand: 16.02.17